Auch die „Gedenkstätte KZ Osthofen 1933/34“ hat mittlerweile eine Geschichte.
Die Lagergemeinschaft – darunter Philipp Wahl aus Worms - initiierte das Projekt 1972 mit Unterstützung des VVN. 1982 legte die
DGB-Jugend Rheinland-Pfalz nach. Der BUND beantragte im gleichen Jahr die Unterschutzstellung. Zwei Jahre später erarbeiteten der Christliche Friedendienst (cfd) und die Ev. Kirchengemeinde Osthofen eine
inhaltliche Konzeption. Auf dieser Basis begann die Arbeit von Heribert Fachinger (Pädagogik) und Angelika Arenz-Morch (Geschichte), zunächst über ABM. Prof. Eike Hennig von der GHK Kassel leistete wertvolle
Unterstützung. Der Osthofener Stadtrat und die beiden Kirchengemeinden verhielten sich unter dem Druck aus der Bevölkerung zurückhaltend gegenüber dem Projekt einer Gedenkstätte. Im Oktober 1986 gründeten der
cfd, der DGB Rheinland-Pfalz, die Lagergemeinschaft und der VVN schließlich einen Förderverein, zu dessen 1. Vorsitzenden Joachim Dietermann, ehemals ev. Pfarrer in Osthofen, gewählt wurde. Gemeinsam mit der
DGB-Jugend und deren Sekretär Johannes Graßl überzeugte man die vier Landtagsfraktionen in einer Anhörung 1987 von der Notwendigkeit einer Gedenkstätte. Ab 1988 konnte der Förderverein auf der Basis eines
Landeszuschusses Räume für die Gedenkstättenarbeit auf dem Gelände mieten und ein Jahr später eine erste Ausstellung zeigen.
Die vom Kultusministerium befürwortete Unterschutzstellung wurde ebenfalls 1989 rechtswirksam. 1990 übernahm Manfred Helmes den
Vereinsvorsitz, Konrad Elsässer übernahm die Geschäftsführung im Rahmen einer halben Stelle, für die die EKHN ihn freistellte. Im Mai 1991 schließlich kaufte das Land das Gelände und gab der Landeszentrale für
politische Bildung den Auftrag, ein Gedenkstättenkonzept zu erarbeiten. Der Förderverein erhält bis heute für seine regionale und innovative Arbeit einen Landeszuschuss und kooperiert seit 1997 im Rahmen einer
vertraglichen Regelung mit der Landeszentrale bei der Gedenkstättenarbeit in Osthofen.
Die Zeiten haben sich geändert. Das Misstrauen, das dem Projekt vor Ort bei der Mehrheit der Bürger/innen entgegenschlug ist einer
weitgehenden Akzeptanz gewichen. Mittlerweile ist auch die Stadt Osthofen Mitglied im Förderverein. Dieses Vertrauen konnte durch eine differenzierte regionale Geschichts- und Gedenkstättenarbeit und durch eine
Vielzahl von Kooperationen bei kulturellen Veranstaltungen erworben werden.
Gedenkarbeit kann nur erfolgreich sein – das zeigen die aktuellen Debatten in Afrika, Lateinamerika und Osteuropa -, wenn sie den
Dialog führt mit dem Ziel, dass die Gesprächspartner die Wahrheit selbst erkennen.
Sie ersetzt weder ein juristisches Verfahren noch die aktuelle politische Debatte. Sie zielt auf Tiefe und betrifft den Einzelnen.
Deshalb braucht sie einen Ort, der die Imagination von Vergangenheit anstößt und vervielfältigt, z.B. in die vielen Orte in Rheinland-Pfalz und Hessen, aus denen die Häftlinge im KZ Osthofen stammten, in die
Familiengeschichten der heutigen Besucher/innen oder in deren kulturelle Muster. Die Perspektiven wie die Methoden, die der Förderverein für seine Arbeit gewählt hat, sind vielfältig und spüren oft der Zeit
voraus. Das galt für die Ansprache der Osthofener Bevölkerung unter dem Blickwinkel von Täter, Opfer und Helfer mittels einer haushaltabdeckend verteilten Zeitung, für die Aktivitäten im Bereich von Kunst und
Kultur, für die dialogischen gedenkstättenpädagogischen Konzepte und gilt für aktuelle Beschäftigung mit interkultureller Gedenkstättenarbeit und Menschenrechtspädagogik. Von Anfang an hat der Förderverein in
Netzwerken gearbeitet, vor Ort wie landesweit. Er begrüßt daher ausdrücklich die Planungen des Landes zur Gedenkstättenarbeit in Hinzert und beteiligt sich aktiv an der Arbeit in der LAG der
Gedenkstätteninitiativen. Er hat u.a. vorgeschlagen, regionale Forschungsergebnisse aus dem Land als Wechselausstellungen in Osthofen zu präsentieren. Gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung hat
er landes- und bundesweit Akzente zum Thema „Kunst und Kultur in Gedenkstätten“ gesetzt. In der regionalen Geschichtsarbeit hat er mit den Erzählcafés neue Methoden erfolgreich verankert und thematisch die
Beschäftigung der ev. und der kath. Kirche in Rheinhessen mit der NS-Vergangenheit angestoßen sowie zur NS-Volkskunde und zum Antisemitismus in der Region erste Arbeiten vorgelegt, bzw. Veranstaltungen
durchgeführt.
Ich bedanke mich bei Martina Ruppert-Kelly. Sie hat in der vorliegenden Arbeit die Geschichte der Gedenkstätte bis zum Kauf des
Geländes durch das Land im Jahre 1991 detailliert nachgezeichnet und damit den nicht konfliktfreien Prozess regionaler Gedenkarbeit in Rheinhessen am Handeln von Personen sichtbar gemacht. Dank geht auch an
alle Mitglieder und Freunde, die den Verein in den vergangenen Jahren gefördert und sich bei seinen zahlreichen Projekten engagiert haben. Ein besonderer Dank aber geht an das Land Rheinland-Pfalz und an die
Fraktionen des Landtags, ohne deren einhellige Unterstützung unsere Arbeit nicht möglich gewesen wäre und auch in Zukunft nicht denkbar ist.
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